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Active children - active schools research group

Bewegung und Lernen stehen in der frühen Zeit in einem unlösbaren, geradezu ontologischen Zusammenhang. Die kindliche Entwicklung ist demnach fundamental von Körper- und Bewegungserfahrungen abhängig. Sich-Bewegen ist zum einen für eine gesunde emotionale Entwicklung unentbehrlich, zum anderen brauchen Kinder in den intensivsten Wachstumsphasen Bewegung für eine gesunde körperliche Entwicklung. Darüber hinaus ergeben sich durch Bewegung vielfältige Anreize für die kognitive Entwicklung (vgl. Kerncurriculum Sport NS, 2006, S. 7). Bewegung kann also auch unmittelbar zum Lernerfolg von Kindern und Ju­gendlichen beitragen.

Im Frühjahr 2009 haben die Schülerinnen und Schüler der Eingangsstufe (1. und 2. Klasse) der Grundschule am Hagenberg in Bad Iburg am Projekt „active children – active schools“ der „active children – active schools research group“ teilgenommen. Die Forschungsgruppe setzt sich aus Sportwissenschaftlern um Prof. Dr. Renate Zimmer, Universität Osnabrück und Ass. Prof. Dr. Antonis Kambas, Democritos Universität Thrazien, Griechenland zusammen und beschäftigt sich mit der Analyse von Zusammenhängen zwischen körperlicher Aktivität, Motorik, und Konzentration im Kindes- und Jugendalter. Im Projekt in Kooperation mit der Grundschule Bad Iburg wurden folgende Themen näher betrachtet:

  • Zusammenhänge zwischen Aktivität, Motorik und Konzentration,

  • Chancen von Bewegung, Spiel und Sport für das Schulische Lernen,

  • Welche Möglichkeiten gibt es in Schule, (durch) Bewegung zu fördern.

Die Kinder durften an diesen Datenerhebungen teilnehmen und selbst ihre körperliche Aktivität, in Form von „Schritte zählen“, mit Schrittzählern messen. Dabei waren auch die Eltern aktiv, indem sie ein Bewegungstagebuch für ihre Kinder erstellten und so für die Bewegung und Aktivität ihrer Kinder sensibilisiert wurden. Die Schülerinnen und Schüler konnten im Rahmen einer 2 Minuten-Konzentrationsaufgabe (bp-Test) selbst überprüfen, was „Sich Konzentrieren“ heißt und wie viele Buchstaben sie in einer vorgegebenen Zeit finden und anstreichen können. Ihre motorischen Fähigkeiten konnten sie durch spielerische Übungen (BOT–SF) unter Beweis stellen. Während des Projekts hatten die Kinder viel Spaß und haben interessante Dinge gelernt.

Nun können interessante Ergebnisse berichtet werden:

Erwartungskonform bewegen sich Mädchen im Durchschnitt weniger als die Jungen und beide Geschlechter bewegen sich am Wochenende weniger als unter der Woche.

Durchschnittlich haben die Kinder täglich 14.381 (Jungen) und 11532 (Mädchen) Schritte zurückgelegt. Dies spricht, wenn diesen Werten die Richtwerte für Erwachsene (10.000 Schritte pro Tag) gegenübergestellt werden, alles andere als für eine unbewegliche oder unbewegte Kindheit. Am Wochenende allerdings, also die Tage mit der meisten Freizeit, zeigten sich die Kinder weniger aktiv. Auch werden die für die Gesundheit wichtigen sportlichen Schritte (aerobic steps), deren Anzahl mit der Ausdauerleistungsfähigkeit korreliert, sowohl unter der Woche als auch am Wochenende im Durchschnitt kaum gegangen.

Was die motorische (M=45,66; SD=6,63) und konzentrative (M=46,6; SD=11,29) Leistung anbelangt, kann bei der Bad Iburger Eingangsstufe von einer guten und sehr homogenen Gruppe ausgegangen werden, dessen Interesse an Sport und Bewegung im Durchschnitt überaus groß ist.

Zu den Korrelationsrechnungen: Die kleinen, nicht signifikanten Korrelationskoeffizienten zwischen körperlicher Aktivität, Motorik und Konzentration lassen sich mit oben beschriebener Gruppenkonstellation erklären: homogen und gute Rahmenbedingungen für Bewegung und Lernen.

Hinsichtlich der signifikanten Zusammenhänge zwischen Schulleistung, Motorik, Sportinteresse und aerobic steps stellt sich auf der einen Seite die Frage: Bewertet der Lehrer das was als Persönlichkeit eines Kindes von außen wahrgenommen wird: Interesse, Aktivität und Motivation, oder hängen auf der anderen Seite die schulische Leistung/schulische Kompetenzen tatsächlich mit Bewegung und Aktivität zusammen? Und wie können dann die schulischen Leistungen über und durch Bewegung (in der Schule) gefördert werden? Hier setzen weitere Forschungsaktivitäten an im Rahmen von Interventionsstudien an.

Wir danken ganz herzlich allen Hagebergern und empfehlen einfach: Weiter so, denn HA – HO – HE – am Hagenberg ist´s OK!

Uni Osnabrück

 

 

 

Die (ausführliche) Auswertung als pdf-Datei finden Sie hier.