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Neue Osnabrücker Zeitung

(08.07.2005)

Keine Patentrezepte für Erziehung
Bad Iburger Eltern zeigten großes Interesse am Thema "Grenzen setzen"

Bad Iburg (sp) "Viele Eltern sind verunsichert." Was Dr. Christoph Volkamer, Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, aus Erfahrung weiß, zeigte sich auch an dem riesigen Interesse der Eltern an seinem Vortrag in der Schule am Hagenberg in Bad Iburg. Der Förderverein hatte mit dem Thema "Grenzen setzen" offenbar den Nerv der Eltern getroffen.
Eine Beobachtung, die auch Schulrektorin Steffi Baalmann bestätigt: "Immer mehr Kinder kennen ihre Grenzen gar nicht oder überschreiten sie bewusst, was den Umgang mit ihnen nicht einfach macht." Aber wie setzt man richtig Grenzen? Passt eine Erziehung, geprägt von Reglementierung, überhaupt noch in die heutige Zeit? Der Experte stellte gleich in seiner Einführung klar, dass es keine Patentrezepte gibt für ganz spezielle Standardsituationen. "Es gibt zwar ein paar grundsätzliche Punkte, die einem bei der Erziehung helfen können", so Volkamer, "aber so individuell wie die Eltern und Kinder sind, so vielfältig sind die Lösungsansätze." Nicht nur die Eltern ständen heute unter einem enormen Erfolgsdruck, auch schon jüngere Kinder sehen sich immer höheren Anforderungen gegenüber, beispielsweise in der Schule oder im Freundeskreis. Als Allererstes müssten sich Eltern bewusst machen, dass sie durch die Erziehung der eigenen Eltern stark geprägt seien. Niemand habe so viel Einfluss auf die Entwicklung eines Menschen wie die Eltern, so der Experte, selbst Vater von drei Kindern und nach eigenem Bekunden auch nicht der Supervater. "Als Eltern macht man eben auch mal Fehler. Wichtig ist, dass man diese erkennt, und versucht, Probleme in den Griff zu kriegen."
Wer dabei als Eltern nicht an einem Strang ziehe, habe schon verloren, denn Kinder testen ihre Grenzen aus, wollen herausfinden, wie weit sie gehen können. Volkamer: "Das ist normal und wichtig für die Entwicklung ihrer eigenen Persönlichkeit. Doch genauso wichtig ist es, den Kindern nachvollziehbare Grenzen zu setzen und diese konsequent einzuhalten." Um dabei keine Fehler zu machen, sollte man aber einige Punkte beachten. Wer Grenzen setzt, sollte eine gute, vertrauensvolle Beziehung zu seinem Kind haben. Gesetzte Grenzen sollten dem Alter des Kindes entsprechen, aber auch möglicherweise vorhandenen Schwächen. Ganz wichtig sei aber auch, dass man als Eltern Rücksicht nehme auf die emotionale Situation des Kindes.
Volkamer würzte seinen Vortrag mit vielen Beispielen, so dass auch dem Laien das schwierige Thema leicht zugänglich war. Und so manche Mutter, aber auch die wenigen anwesenden Väter gingen nach Hause mit dem Gefühl, nicht alles falsch gemacht zu haben, aber hier und da doch ruhig dem eigenen Gefühl zu vertrauen und sich vielleicht intensiver als bisher mit dem Partner über Erziehungsfragen zu verständigen.

Schullogo

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