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Neue Osnabrücker Zeitung

(19.04.2005)

Gelungenes Miteinander von Kindern und Senioren: Das Beispiel Bad Iburg
Von Susanne Pohlmann Bad Iburg
Junge Familien und ältere Menschen leben in Bad Iburg Tür an Tür: Von den rund 11600 Einwohnern sind fast 2000 Senioren. Dazu zählen, rein statistisch gesehen, alle Menschen ab 65 Jahren. Die Zahl der Kinder bis 14 Jahre liegt ebenfalls bei 2000. Wie funktioniert das Miteinander der jüngeren und älteren Einwohner?
Die Antwort von Irene Wellmann, Frauenbeauftragte der Stadt Bad Iburg, ist zweigeteilt: Dank diverser privater Initiativen klappe das Miteinander gut, aber es könnte noch mehr getan werden. Die Stadt Bad Iburg hat kürzlich das Bündnis für Familie ins Leben gerufen. Dazu gehört auch die Förderung des Miteinanders der Generationen. "Es ist wichtig, die älteren Menschen aus ihrer Isolation herauszuholen", erklärt Irene Wellmann. "Die Kinder können so viel von den älteren Menschen lernen, beispielsweise Spiele, die in Zeiten des Computers langsam in Vergessenheit geraten."
Irene Wellmann ist stolz darauf, dass es in Bad Iburg bereits eine ganze Reihe Menschen und Einrichtungen gibt, die genau in dieser Richtung einiges bewegt haben. Beispielsweise die Grundschule Hagenberg. Sie nutzt ihre Nachbarschaft mit dem Christopherusheim schon seit Jahren und bietet ihren Schülern und den Senioren die Möglichkeit, gemeinsam Spaß zu haben und Verständnis füreinander zu entwickeln. Konrektorin Anne Seebode berichtet: "Bis jetzt sind wir zwei- bis dreimal im Jahr mit einzelnen Klassen ins Seniorenheim gegangen, um am Rosenmontag etwas Karnevalsstimmung zu verbreiten oder zu Weihnachten ein paar Lieder vorzutragen." Christophorusheim-Leiterin Susanne Koopmann bestätigt, dass das nicht nur den Kindern viel Spaß macht. "Unsere Bewohner freuen sich immer, wenn die Kinder zu Besuch kommen, denn sie bringen ein Stück unbefangenes, frühliches Leben mit ins Haus", so Koopmann. Wünschenswert ist es aus ihrer Sicht, "in dieser Richtung noch weitere Ideen zu verwirklichen".
Sehr glücklich ist man an der Grundschule über den seit Jahren funktionierenden "Oma-Lesedienst", der dem privaten Engagement älterer Damen zu verdanken ist. Regelmäßig kommen die Seniorinnen in die Schule und bringen den Erstklässlern die Welt der Bücher näher. Auch Margarete Kaufmann, die Leiterin des Franziskus-Kindergartens im Bad Iburger Stadtteil Glane, hat die Großeltern ihrer Kindergartenkinder davon überzeugt, sich mehr oder weniger regelmäßig mit den Kleinen zu beschäftigen. Eine der freiwilligen Helferinnen ist Hildegard Köstler. Die 72-Jährige schaut mit ihrem Mann immer wieder im Kindergarten vorbei, um mit den Kindern zu spielen oder ihnen vorzulesen. "Ich kann das nur jedem empfehlen", erklärt die begeisterte Großmutter, "denn es ist schön, die Kinder für Bücher zu begeistern. Man kriegt viel Freude und Zufriedenheit von den Kindern zurück."
Margarete Kaufmann beobachtet das immer wieder: "Die älteren Menschen, die zu uns kommen, sollen hier nicht bloß die Arbeit der Erzieherinnen übernehmen. Die Kinder sind einfach begeistert, und gemeinsam haben sie viel Spaß." Die Leiterin wünscht sich, dass die Unterstützung durch die Senioren zu einer festen Institution wird. Das sieht Susanne Koopmann vom Christophorusheim genauso: "Der Umgang von alten Menschen und Kindern sollte zu etwas Normalem werden, aber dazu müssten auch die dazwischenliegenden Generationen umdenken." Die Expertinnen haben beobachtet: Die Unbefangenheit, mit der Kinder und Senioren aufeinander zugehen, fehlt vielen Erwachsenen.

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